LIEDER



Was führen wir Seestädter in dem Schild?

Mit frohem Mut und heit'rem Sinn

Ihr Brüder, wenn ich nicht mehr trinke

Frisch auf, ihr Brüder, dieweil wir sein

Den schönsten Frühling, den seh'n wir wieder

Als ich eines Montags von der Herberge kam




Was führen wir Seestädter in dem Schild?
Ist das nicht ein schönes Bild,
Die Ehrbarkeit, die uns erfreut?
:/: Auf das Reisen wollen wir uns begeben,
Das sei unser Tun und Streben.
Durch Gewässer, Wässer, Berg und Tal,
Wir beschauen es wohl überall. :/:

Einer, der da hinter dem Ofen sitzet,
Sich mit den Fingern in den Ohren spitzet,
Keine Stund von zu Haus
Ist gekommen er heraus
:/: Den woll'n wir einen Toren nennen,
Nicht als ein'n Gesell erkennen,
Der nichts weiß als von sein Kaff,
Wo er ausgeschustert, -schneidert hat. :/:

Einer, der da Hitze oder Kälte probieret,
Manchen sauren Weg marschiert
Auf seiner Reis' bei Schnee und Eis,
:/: Der da über so viele Brücken,
Sein Chalottenburger auf dem Rücken
Hat's getragen so manches liebe Jahr,
Ausgestanden viel Gefahr.:/:

Sind alsdann sechs Wochen verflossen,
Ei, dann halten wir, wie's Brauch;
:/: Lehren uns die scharfen Regeln
Wie so mancher Bauernflegel,
Der zu Haus kein Gut's getan,
Wird kein braver fremder Zimmermann. :/:

Was führen wir Seestädter in dem Schild?
Ist das nicht ein schönes Bild,
Die Ehrbarkeit, die uns erfreut?
:/: Darum lasset uns tapfer reisen,
Nicht mit leerem Mund abspeisen.
Denn es ist ja eine Schande, Schande nicht,
Wer dem Bauern seine Wurst aufißt.


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Mit frohem Mut und heit'rem Sinn
Durchreisen wir die Welt,
Viel' Stadt' und Länder zu beseh'n,
Haben dabei vieles, vieles auszusteh'n.
/: In der Tasch' keinen Kreuzer Geld,
Ei, so reist man durch die wunderschöne Welt. :/

Oft muß man fort, ob's regnet oder schneit
Oder stürmet gar so sehr;
Oft hat man keinen ganzen Schuh
Und auch kein Stücklein, Stücklein Brot dazu,
/: In der Tasche keinen Kreuzer Geld,
Ei, so reist man durch die wunderschöne Welt. :/

Doch dieses alles schad't mir nicht,
Ist mir nicht anzusehen;
Denn diese Lehr' die tröstet mich,
Die mir mein Vater, Vater gab, als ich
/: Wollt' wohl in die Fremd' reingehen,
Wollte mir die Welt beseh'n. :/

Er sprach: "Mein Sohn, jetzt wand're du,
Ernähr' dich treu und brav,
Und geht's dir gut, so denk daran,
Daß es dir noch schlechter, schlechter gehen kann.
/: Schütze dich vor Übermut,
Trage stets einen schwarzen Hut. :/

Und sollte einst der Fall geschehen,
Daß wir uns nimmer wiedersehen,
So sehn wir uns vorm Weltgericht.
Lebe wohl, vergiß deinen Kam'rad nicht.
/: Bleibe auf der Tugendbahn,
Schiebe auf der Landstraße lang. :/

D'rum Brüder, glaubt, die Wander-Wanderschaft
Ist kein Spazierengeh'n,
Ein fremder Maurer (Zimm'rer), der sein Ziel
In Ehren stets erreichen will,
/: Der hat vieles auszustehen,
Der muß oftmals Klinken putzen geh'n. :/


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Ihr Brüder, wenn ich nicht mehr trinke,
Geplagt von Gicht und Podagra. Prost Franz!
/: Wenn ich auf mein Sterbelager sinke,
Und glaub', es sei mein Ende nah'. Prost Franz! :/

Und sterb' ich heute oder morgen,
So ist mein Testament gemacht. P.F.
/: Für das Begräbnis sollt ihr sorgen,
Wohl ohne Glanz und ohne Pracht. P.F. :/

Beim Sarge laßt es nur bewenden,
Legt mich nur in ein Rheinweinfaß. P.F.
/: Statt der Zitronen in den Händen,
Reicht mir ein volles Deckelglas. P.F. :/

Im Keller sollt ihr mich begraben,
Wo ich so manches Faß geleert. P.F.
/: Den Kopf will ich am Zapfen haben,
Die Füße nach der Wand gekehrt. P.F. :/

Und wollt ihr mich zu Grab' geleiten,
So folget alle Mann für Mann. P.F.
/: Um Gotteswillen laßt das Läuten,
Stoßt lieber mit den Gläsern an. P.F. :/

Auf meinen Grabstein schreibt die Worte:
Er ward geboren, wuchs und trank. P.F.
/: Jetzt ruht er hier an diesem Orte,
Wo er gezecht sein Leben lang. P.F. :/


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Frisch auf, ihr Brüder, dieweil wir sein,
Weil wir noch jung an Jahren sein,
Woll'n wir uns in die Fremde begeben;
Was Schön'res zu erleben,
Auf daß man lernet hier und dort,
Wie sich's gebühret am fremden Ort,
Wie man die Arbeit anfassen tut.
Hoch lebe der Mann mit dem Hut!
Hoch lebe fremd Zimmermannsblut!

Kommt man in eine Stadt hinein,
Wo unser Bleiben scheint zu sein,
Wo man brav Schulden machen kann,
Da nehmen wir Arbeit an.
Wir hobeln, wir sägen, wir stemmen dabei;
(Wir mauern, wir putzen, wir fugen dabei)
Die Arbeit ist uns ja ganz einerlei,
Wir versaufen den Rock, aber niemals den Hut.
Hoch lebe usw.

Hat man sechs Mädel in einer Stadt,
Die man so treu geliebet hat,
Und wiederum von ihnen scheiden muß,
Das gibt einen traurigen Schluß.
Ihr Mädchen, grämet euch nicht so sehr,
Es gibt ja fremde Zimmerleut' wie Sand am Meer,
Sie versaufen den Rock usw.

Kommt nun der kalte Winter heran,
Daß man es vor Kälte kaum aushalten kann,
Das Wasser frieret im Schleifstein ein;
Der Teufel mag Zimmermann sein!
Da resolvieren wir uns behend'
Und machen der Arbeit ein baldiges End'.
Versaufen den Rock usw.

Kommt erst der heiße Sommer heran,
Daß man es vor Hitze kaum aushalten kann.
Das Bier, das trocknet im Glase ein;
Der Teufel mag Zimmermann sein!
Da resolvieren wir uns behend'
Und machen der Arbeit ein baldiges End'.
Versaufen den Rock usw.

Drum laßt uns nicht verdrossen sein,
Weil wir noch jung an Jahren sein.
Da draußen, da weht ein kühler Wind;
Seid lustig, seid fröhlich, Gesellen!
Es gibt noch in der Fremde Pläsier,
Sei es in Braunschweig oder allhier.
Gefochtenes Brot schmeckt noch einmal so gut.
Hoch lebe der Mann mit dem Hut usw.


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Den schönsten Frühling, den seh'n wir wieder
In ganz Europa weit und breit.
Frisch auf, Gesellen, singt frohe Lieder,
Jetzt ist des Reisens wohl aller-, allerschönste Zeit;
Denn es grünt und blüht in der Natur,
Die Bäume, Wiesen Wald und Flur.
Ein jeder ist jetzt wiederum befreit
Von der verdammten Sklaverei.
Drum frisch auf, Gesell'n, der Winter ist vorbei,
Es freut sich ein jeder fremder Zimmermann
/: Aufs Reisen bei so schöner, schöner Zeit,
Ja, wenn's auch schneit. :/

Die Handwerkslust ruft uns auf Straßen,
Schnürt Euer Felleisen fest und gut,
Und tut niemals das Reisen lassen,
Solange noch wallt das junge, junge frische Blut.
Ja, man reist durch manche Stadt und Land,
Reisest mit Gesellen, Bruderhand.
So der eine oder andre sich im Elend befindet.
So gedenkt, was wir ihm schuldig sind.
Ja, ein jeder tut, soviel er kann;
Das ist die wahre Tugendbahn.
Aufs Reisen usw.

Ein jedes Land hat sein Vergnügen
Für die Bewohner groß und klein.
Ein Kuß vom Madel, das man geliebet,
Ist manchem seine wohl aller-, allerschönste Freud.
Ja, man drückt sie noch einmal ans Herz,
Und Tränen lindern ihren Schmerz;
Ja, man verspricht, ihr treu zu sein;
Ja, man sagt, man liebt nur sie allein,
Aber endlich schwenkt man seinen Hut
Und fasset wieder frischen, frohen Mut.
Aufs Reisen usw.

Seid frisch, seid froh, Gesellen, Brüder,
Die Stunde schlägt, wir seins bereit.
Verfloss'ne Zeiten kehren niemals wieder,
Vergangen ist die wohl aller-, allerschönste Zeit.
Drum, Ihr Brüder, die Ihr um uns seid
In Lustbarkeit, Zufriedenheit,
Habe ich Euch was zuleid' getan,
So bitte, ich um Verzeihung an.
Ei, so wünsch ich Euch zu guter Allerletzt
Ein gut Glas Bier, das Euch ergötzt.
Aufs Reisen usw.


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Als ich eines Montags von der Herberge kam,
Zum Trulla, zum Siegellack, zum Trullala.
Ein freundliches Mädel, das lächelt mich an,
Zum Trulla, zum Siegellack, zum Trullala.
/: Gesell, du brauchst nicht so zu eilen,
Du kannst ein wenig bei mir verweilen
Zum Trulla, zum Siegellack, zum Trullala. :/

Und als wir nun kamen vor dem Krauter sein Haus, z. Tr.
Da schaute der Schafskopf zum Fenster heraus, z. Tr.
/: Gesell du tust nichts weiter, als saufen,
Du kannst mir morgen zum Tor hinaus laufen, z. Tr. :/

Da sprach mein Feinsliebchen, jetzt kommst du mit mir, z. Tr.
Ich wilI dich tracktieren mit Wein und mit Bier, z. Tr.
/: Es soll dir führwahr an gar nichts fehlen,
Du brauchst dich nicht länger beim Krauter zu quälen, z. Tr. :/

Sie führt mich an einen viereckigen Tisch, z. Tr.
Auf allen vier Ecken gebratener Fisch, z. Tr.
/: Und in der Mitte eine Kanne mit Weine,
Schenk ein, trink aus, wir sind ja alleine, z. Tr. :/

Sie stopft mir das Pfeifchen, sie macht mir das Bett, z. Tr.
Sie macht mir alles sehr nobel und nett, z. Tr.
/: Wir beide werden schon schlafen können,
Wenn andere uns die Ruhe vergönnen, z. Tr. :/

Da haben wir geschlafen die liebe lange Nacht, z.Tr.
Und haben dabei kaum ein Aug' zu gemacht, z.Tr.
/:Es ist für wahr keine leichte Sache,
Einer Sponkrei einen fremd' Zimmermann zu machen, z.Tr. :/